Kleine Chronik über die Zillertaler Bergführer
( verfasst von Stefan Wierer 2007 nach Vorlage von Hans Kröll „ Hansler Hansl“ 1982)

Schon lange bevor erste Reisende, Forscher und Alpinisten in unser Tal kamen, behaupteten sich Bergbauern, Hirten, Senner und Jäger in diesem rauen, gebirgigem Lebensraum, mussten verschiedener widerwärtiger Gefahren trotzen um für sich und ihren Familien zu einem Broterwerb zu kommen. Sie kannten verwinkelte Wege und Steige zu den vergletscherten Übergängen, die von den Bewohnern nicht als trennende Barriere empfunden wurden, sondern sehr wohl wie Aufzeichnungen bestätigen, Begehungen hatten.

Als dann in weiterer Folge wirklich Forscher und Reisende aus den Städten in unsere Heimat vordrangen, war es nahe liegende die verwegensten Männer als Wegbegleiter zu suchen. Vor allem waren Wilderer sehr begehrte Führer wie ein Reisebericht aus dem Jahre 1770 verfasst von Belsazar Hacquet erzählte. Diese seien „ die besten Begleiter, denn sie wissen sich in der größten Gefahr herauszuhelfen, sind unermüdlich, abgehärtet, wissen alle Schlupfwinkel im Gebirge und man ist sicher, dass man bei ihnen nicht verhungert “.

Ob es sich bei den beiden Zillertalern Johann Leitner und Johann Klausner auch um Wilderer handelte, ist nicht überliefert, jedenfalls muss es sich dabei um außergewöhnliche Alpinisten gehandelt haben, wie wäre es ihnen sonst möglich gewesen, im Auftrag des Erzherzogs Johann, am 27. Sept. 1804 zusammen mit Josef Pichler ( „ Pseirer Josele „), den Ortler (3905m), damals höchster Berg der Monarchie Erstzubesteigen.

Mitte des 18. Jahrhunderts kam es zur Gründung der alpinen Vereine dem österreichischen Alpenverein – OeAV war von der ersten Stunde weg ein besonderes Anliegen auch das Führerwesen zu organisieren. Auch die Bergführer des Zillertal organisierten sich und gründeten am 27. Nov. 1897 einen Führer- Unterstützungsverein.

Zur damaligen Zeit gehörte Heinrich Moser ( Sagschneider Heinrich ) aus Mayrhofen zu den bekanntesten seiner Berufsgruppe im Alpenraum, seine anvertrauten Herrn machten mit ihm nicht nur im Zillertal Touren, nein Heinrich kletterte in die Dolomiten aber auch in den Westalpen und noch lange bevor bei der breiten Masse an Bergsteigern der Schi Einzug hielt, bestieg Heinrich mit seinem Gast über den spaltenreichen Monte- Rosa Gletscher als erster Mensch überhaupt mit Schi die Dufourspitze ( 4638m ) in den Walliser Alpen. Diese Begehung wurde am 23.März 1898 mit Herrn Oskar Schuster und dem Träger Severin Aufderplatten aus Zermatt durchgeführt.

Heinrich Moser und unserem nächsten „ Erschließer der Zillertaler Alpen “ Georg Samer vulgo Steinklauber Josele gelangen mit zunehmend mehr englischsprachigen Gästen darunter auch so klingende Namen wie W.H. Hudson, C. Taylor oder mit den berühmtesten deutschen Alpinisten der jener Zeit wie Dr. A. v. Ruthner, Paul Grohmann und Ludwig von Barth Erstbesteigungen so einmaliger Gipfel wie den Turnerkamp ( Bestiegen 1872 ), Olperer, Möseler (1877 ) Schwarzenstein ( 1892 ) und Hochfeiler ( Besteigung am 24. Juli 1865 ) den höchsten der Zillertaler.

Mit der Erstbesteigung der Hochfeiler Eiswand 1890 hielt der „ Extremalpinismus „ Einzug im Zillertal: „ Hörhager arbeitete sich mit einem Sapin die steile Eiswand unermüdlich hinauf, und schlug Stufe um Stufe “. Mit etwa 20 Erstbegehungen dieser Art trug Hans Hörhager wesentlich zur Erschließung von schwierigen Fels- u. Eistouren bei, wovon einige davon noch immer, auch nach über hundert Jahren, zu den großen, schweren Klassikern in den Ostalpen zählen.


Hans Fiechtl, das 1903 geborene Zillertaler Bergführeroriginal, Erfinder des Fiechtlhackens,
mit Pfeife und Schnapsflasche (“ mei Kraftwasserl „ ) galt als Lehrmeister des legendären
Hans Dülfer. Hans oder „ Schwarzenstoaner Hansl „ wie man ihm im Tal nannte kam in seinen Kinderjahren als Kuhhirte auf die Schwarzensteinalm setzte in seinen Jugendjahren den extremen Weg Hörhagers fort und entwickelte sich zu einem der beste Felsgeher seiner Zeit. Fiechtl war der Bergführer, der neue Wege im Schwierigkeitsbereich bis V suchte. Im Wilden Kaiser wurde er später auch zum extremen Kalkkletterer. Wo er auch schwerste Erstbegehungen, Alleingänge und Führungen oft auch zum speziellen „ Fiechtltarif „ unternahm.

Zur damaligen Zeit hatte jeder Bergführer seine Stammtouristen, die zu Ihrem Bergführer unbegrenztes Vertrauen hatte und oft wochenlang mit ihnen Touren machten. Auch in fremden
Gebieten waren die Zillertaler Führer erfolgreich so erhielten die Bergführer Kröll und Moser
Nach einer sehr erfolgreichen Kaukasusbergfahrt für ihre „ ausgezeichnete Führungsarbeit „ einen
Eispickel mit Anerkennungsgravur.
Mit dem großen Kriegen versiegte der Touristenstrom und die Bergführer des Zillertals mussten wie
so viele in dieser unglückseligen Zeit zu den Waffen greifen und an den unterschiedlichsten Fronten
und Kompanien einrücken und ihren Soldatendienst leisten.
Nach dem Krieg wurde dem Winterbersteigen mehr Aufmerksamkeit gewidmet was auch in den Bergführerkursen seinen Niederschlag fand. Der Berg- und Schiführer wurde geboren.

Als eine besondere Bergführererscheinung der ersten Stunde nach dem Krieg ist Franz Steindl zu nennen. Er verstand es durch seine besondere Art Menschen für sich und die Bergwelt zu begeistern.
Seine Szenen in der Verfilmung vom Bayrischen Rundfunk von 1957 über eine Reise ins Zillertal trugen wesentlich zum alpintouristischem Aufschwung bei. Die Übernachtungzahlen auf den Hütten und die der eingesetzten Bergführer der damaligen Zeit wurden bis heute nie mehr erreicht.

Am Ende meiner Rückschau möchte ich es nicht verabsäumen zwei Bergführer der Sektion Zillertal
der jüngeren Zeit zu erwähnen . Peter Habeler der zusammen mit verschiedensten Seilpartner oder in verwegensten Alleingängen für Meilensteine in der Alpingeschichte sorgte, als erster Mensch am Mount Everest ohne Sauerstoff stand, als erster Europäer die großen Routen im Yosemity Vally
wiederholte oder den Alpinstil im Himalaja einführte gehört ebenso zu unseren Bergführen wie
Gerhard Hörhager jun. direkter Nachkomme des bereits erwähnten Hans der sich im Bereich Klettern zur Weltspitze hinaufschraubte und Vizeweltmeister im Sportklettern wurde.

Abschließend kann man feststellen das Zillertaler Bergführer in der Geschichte des Alpinismus sehr rührig waren und ihrer Tradition verbunden sind, sich jedoch nicht scheuen sich den neuen modernen Herausforderungen zu stellen und stets bemüht sein werden ihren Gästen mit größtmöglicher Sicherheit unvergessliche Naturerlebnisse zu vermitteln

Mit besten Bergsteigergrüßen aus dem Zillertal
Stefan Wierer
Obmann der Bergsportführersektion Zillertal